Canopy Piloting Die Neutrale Körperhaltung
In jeder Fallschirmdisziplin, wie etwa Formationsspringen oder Freefly, gibt es eine neutrale Körperhaltung, die wir immer wieder einnehmen. Diese Haltung wird aus gutem Grund gelehrt- um die Kontrolle zu haben, um sicher zu sein und als Anfangs- und Endpunkt eines fortgeschrittenen Manövers. Es gibt diese neutrale Körperhaltung auch beim Fliegen des Fallschirms.
Der Unterkörper
Richtige Haltung:
Bei dieser Haltung sind die Beine symmetrisch auseinander mit leicht angewinkelten Knien. Man “sitzt” so gut es geht im Gurtzeug.
Gründe:
Erstens, diese Unterkörperhalterung ist vor allem wichtig für die Sicherheit. Die Beine sollten eine ähnliche Haltung einnehmen, als wenn man von einem Tisch auf den Boden springt. Die Beine verbiegen sich dabei leicht und federn unser Gewicht ab. Nun sind wir bereit für den sich nähernden Boden - entweder stehend, laufend oder rennend. Wenn notwendig unterstützt diese Unterkörperhaltung auch den Landefall.
Zweitens, diese Unterkörperhalterung ist auch wichtig um zu wissen, dass sich der Körper symmetrisch im Gurtzeug befindet und keine Gurtzeug- oder Körperdrehung verursacht. Oft beschweren sich Fallschirmspringer, dass ihre Fallschirme "nicht gerade fliegen“, ohne zu bemerken, dass dieser Dreheffekt durch eine asymmetrische Körperhaltung im Gurtzeug verursacht wird.
Der dritte (und beste) Grund diese Haltung einzunehmen ist, dass sie einen Canopy Pilot von einem Fallschirmspringer unterscheidet. Der Canopy Pilot fliegt mit seinem ganzen Körper. Mit dieser ausbalancierten, Beine abstehenden, leicht sitzenden Haltung nutzt der Canopy Pilot seinen Körper um den Fallschirm aktiv zu steuern. Der Pilot versteht dadurch, dass es wichtig ist Gurtzeugdrehungen zu lernen und weiterzuentwickeln. Diese neutrale Körperposition ermöglicht ihm leichte Korrekturen mit dem Körper, den Schirm aktiv sicher zu steuern oder aggressive Drehungen mit einem sehr effizientem Input durchzuführen.
Technik:
Um diese Körperposition einzunehmen, versuchen Sie Ihre Beingurte nach der Öffnung etwas nach unten zu schieben. Stellen Sie jedoch zuerst sicher, dass sich der Fallschirm richtig geöffnet hat, Sie keine Probleme haben und der Luftraum in Ihrer Umgebung frei ist. Bevor Sie dieses Mal die Steuerschlaufen aus der Vorbremse in den hinteren Tragegurten lösen, halten Sie jeden Beingurt in einer Drehung fest und drücken Ihr Gesäß nach hinten in das Gurtzeug, so dass die Beingurte am vorderen muskulösen Teil der Oberschenkel sitzen. Lösen Sie nicht die Beingurte selbst. Wenn Sie sich wohl fühlen, können Sie zusätzlich den Brustgurt lockern (nicht lösen). Dies erhöht Ihre Leistung im Gurtzeug. Das Lockern des Brustgurtes bedeutet gleichzeitig, dass sich der Körperschwerpunkt bei der Landung nach vorne verlagern kann. Normalerweise ist dies eine bessere Position wenn Sie bei der Landung gehen oder rennen. Ein enger Brustgurt schränkt Ihren Gewichtsschwerpunkt ein und hält ihn weiter hinten bei der Landung.
Falsche Unterkörperhalterungen:
Falsch Bild 1: "Überkreuzte Knöchel". Diese "Fahrwerk eingezogen"-Beinhaltung ist nicht bereit für eine Landung. Es bedeutet auch, dass Sie nicht bereit für Körperinputs sind und verleitet zu einer asymmetrischen Sitzposition im Gurtzeug.
Falsch Bild 2: Die "ein Bein nach vorne ausgestreckt" Haltung. Diese Haltung ist sehr gefährlich, wenn Sie Ihre Höhe bei der Landung falsch beurteilen. Die Haltung kann auch eine aggressive Gurtzeugdrehung verursachen.
Falsch Bild 3: Die "Schüler Beine breit" Haltung. Dies ist eine weitere Haltung, die nicht bereit für eine Landung ist. Bei der Landung verleiten lange Beine einen Fallschirmspringer dazu diese nach unten zu strecken und zu landen, anstatt den Flare so lange wie möglich zu fliegen.

Der Oberkörper
Richtige Haltung:
Nachdem Sie die Kappenkontrolle durchgeführt und die Steuerschlaufen in die Hand genommen haben, können Sie die neutrale Oberkörperhaltung einnehmen, indem Sie die hinteren Tragegurte, so hoch wie es Ihnen behaglich ist, greifen. Die Steuerschlaufen bleiben dabei in der Hand. Strecken Sie die Arme nicht soweit wie möglich aus oder positionieren die Hände kurz über dem 3-Ring-System. Greifen Sie die Tragegurte jedoch so hoch wie es sich für Sie noch gut anfühlt. Dies hängt von den persönlichen Vorlieben jedes einzelnen Piloten ab. Der Griff selbst ist entspannt aber fest und umfasst die hinteren Tragegurte, als ob Sie jemandem die Hand schütteln. |

| Diese neutrale Oberkörperposition - Greifen der hinteren Tragegurte mit den Steuerschlaufen in der Hand - ist wichtig um zu wissen, dass sich der Fallschirm in voller Fahrt befindet und man nicht unbeabsichtigt, wenn auch nur wenig oder an einer Seite, den hinteren Teil des Fallschirms beeinflusst. Mit dieser richtigen Handhaltung können Sie gleichmäßig flaren. Hände, welche nicht die hinteren Tragegurte berühren, sind "schwammige" Hände, die einen ungleichmäßigen Flare verursachen können oder Korrekturen während des Flares wahrscheinlich machen. Letztendlich ist es außerdem wichtig zu wissen, dass wir mit dieser richtigen Haltung alle unsere Steuermöglichkeiten in der Hand halten. Vergleichbar mit der 10:2-Lenkradhaltung der Hände beim Auto fahren sind wir nun in der Lage schnell zu reagieren und zu agieren. |
Falsche Handhaltung: 
Die "YMCA" Haltung. Bei der YMCA-Haltung hat der Springer zwar seine Hände oben, bewegt diese aber hin und her (wie beim "Y" im YMCA Song). Diese Handhaltung kann unbemerkt ungewollte und ineffiziente Inputs am hinteren Teil des Schirmes verursachen, die dann korrigiert werden müssen.
Fazit
Wie bei allen Disziplinen, verbessert eine neutrale Körperhaltung unsere Leistungen und hilft uns dabei selbstsicherer zu werden. Übernimmt der Pilot diese komfortable und entspannte neutrale Körperhaltung beim Fliegen des Fallschirmes, wird er schnell merken, wie sein Fallschirm wirklich fliegt. Er ist nun in der Lage seinen Schirm positiv und aktiv zu fliegen, anstatt nur versuchen zu steuern und unbewusst zu reagieren. Solange man keine spezifischen Steuerinputs macht, sollte diese Körperhaltung von der Öffnung bis zur Landung eingenommen werden. Denken Sie an Ihre eigene Körperhaltung am Fallschirm und stellen sich folgende Frage: Wie sehe ich an meinem Fallschirm aus- wie ein Fallschirmspringer oder ein Canopy
Autor: Brian Vacher
Übersetzung: Tobias Landmann